Virtuelles WetterstudioAleksandra Bechtel stellt das virtuelle Wetterstudio von RTL vor.Nichts ist so, wie es aussieht - so lautet das virtuelle Prinzip. Ein virtuelles Studio ist ein Studio, das nur Unwirkliches zeigt, etwas, das gar nicht wirklich im Studio existiert. In solchen Studios werden computergenerierte Bilder mit digitalisierten, ursprünglich analogen Videobildern zu einem einzigen, perspektivisch korrekten Videobild in Echtzeit zusammengesetzt. Eine Kamera nimmt zum Beispiel einen Moderator auf, der in einem leeren blauen Raum steht, und dieses Videobild (also das Kamerasignal) des Moderators wird gleichzeitig in einen am Bildschirm geschaffenen 3D-Raum gesetzt.
Blaufilter vor den Objektiven der Studiokameras holen alle blauen Bildanteile heraus: Eine elektronische Bluebox ermöglicht hierzu die Einspeisung anderer Fernsehbilder, die auch aus dem Computer kommen können. So können Sendungen visuell durch künstliche Hintergründe ergänzt werden. Dieses Prinzip funktioniert bei der Wettershow, den Nachrichten oder auch bei Magazinsendungen. Die vom Computer eingespeisten Hintergründe vermitteln eine Raumillusion oder liefern Zusatzinformationen zum nächsten Einspielteil. Der Trend der Technik geht nicht zu möglichst realistischen Illusionen, sondern zu einem möglichst hohen inhaltlichen Nutzen. Überschriften, Fotos, zusätzliche Informationsfenster sind attraktivere Bildelemente als ein animierter Blumenstrauß.
Ein Problem des virtuellen Studios ist, dass der Raum aufgelöst ist und Tiefe mit Licht und Schatten neu erzeugt werden muss. Vielen Aufnahmen im virtuellen Studio - wie etwa beim Magazin 'Focus TV' - ist anzumerken, dass auch die Moderatoren noch einige Schwierigkeiten überwinden müssen. Die Orientierung im leeren Raum steht dabei an erster Stelle. Die einzige Möglichkeit, sich in dem komplett blauen Raum zurechtzufinden und nicht die programmierten Animationen zu verdecken, sind kleine blaue Holzklötzchen. Das System bei 'Focus TV' stützt sich im Grunde vollständig auf zwei schnelle Onyx-Parallelcomputer, die das ganze virtuelle Studio errechnen: Grafiker setzen alle Kulissen am Monitor zusammen, Systemoperatoren ersetzen die Bühnenarbeiter. Sie können Objekte aus dem Nichts hervorbringen und in Echtzeit animieren. Selbst die Filmbeiträge werden vor der Sendung auf einem speziellen Festplattenrecorder gespeichert. Es wäre auch möglich, virtuelle Menschen als Moderatoren einzusetzen, doch das wollen die meisten Zuschauer nicht. Der 'persönliche' Kontakt mit realen Moderatoren ist immer noch sehr wichtig. Der wirkliche Mensch bietet höhere Identifikationschancen als der virtuelle, doch in dieser Hinsicht könnte sich künftig noch einiges ändern.