Trauerarbeit mit KindernDomino, ein Trauerzentrum für Kinder hilft Kindern, die einen geliebten Menschen verloren haben, hilft bei der Bewältigung ihrer Trauer."Lange saßen sie dort und hatten es schwer, doch sie hatten es gemeinsam schwer, und das war ein Trost. Leicht war es trotzdem nicht." - Das Wort der berühmten Kinderbuchautorin Astrid Lindgren trifft im Kern den Gedanken von Domino, dem Trauerzentrum für Kinder in Bergisch Gladbach. In 14-tägigem Abstand treffen sich hier 11 Kinder zwischen 3 und 11 Jahren, die alle einen geliebten Menschen verloren haben. Alle schmerzt dieser Verlust, aber hier trauern sie offen, ohne Tabu - und vor allem gemeinsam. Die Pädagogin und ausgebildete Trauerbegleiterin Christel Gattinger-Kurth gründete die Gruppe im letzten Jahr. Neben einer Gruppe in Bremen ist sie bundesweit die einzige. Jedem Kind steht ein geschulter ehrenamtlicher Mitarbeiter zur Seite, der selbst Trauer erlebte, während die Angehörigen fern der Gruppe unter sich bleiben.
Der gemeinnützige Verein Domino arbeitet in Kooperation mit dem Dougy Center in Portland, USA. Von dort stammt der Grundgedanke, bereits Kinder und Jugendliche während Trauerphasen intensiv zu betreuen. Und der Erfolg gibt diesem Gedanken Recht. Denn mittlerweile wächst der Bedarf an zusätzlichen Gruppen, weil immer mehr Angehörige verstehen, dass verdrängte Trauer krank macht. Besonders Kinder. Die Trauergruppe gibt den Kindern den nötigen Rahmen, die ganze Bandbreite ihrer Gefühle auszuleben. Kinder springen in die Trauer hinein und heraus - plötzlich und unvermittelt. Sie können - besonders wenn sie noch sehr klein sind - Tod und Trauer auf der kognitiven Ebene noch nicht begreifen. Ihren Schmerz drücken sie weniger mit Worten, als vielmehr im Spiel aus, durch Malen und Tonkneten, oder Schreien und Herumtoben.
Angestauter Zorn und Aggression brauchen ein Ventil. Auch dafür gibt es bei Domino den richtigen Ort: im sogenannten Vulkankeller können sich die Kinder gegenseitig mit "Zornziegeln und Wutbrocken" aus Schaumstoff bewerfen - ohne Hemmungen. Die 11-jährige Anouschka Classen und ihre neunjährige Schwester Kathinka besuchen die Gruppe seit Anfang an. Sie haben gelernt, den Verlust des geliebten Vaters anzunehmen. In der Papakiste - auch eine Idee der Trauergruppe - sammelt jedes der Mädchen ihre persönlichen Erinnerungen an den Vater: Fotos, selbstgemalte Bilder, kleine Andenken, Briefe, Einladungen zur Beerdigung und vieles mehr... Einmal in der Woche bringen die Mädchen kleine Geschenke zum Grab des Vaters. Neben dem Grabstein wacht eine Katze aus Holz, zwischen den Blumen stecken bunte Holzvögelchen und liegen aus Steinchen geformte Herzen. Und so ist der Friedhof heute für die Geschwister und ihre Mutter einfach ein schöner Ort, um jemanden zu besuchen - ohne Angst und Bitterkeit. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters - er verunglückte bei einem riskanten Überholmanöver mit dem Motorrad - war der Sozialpädagogin Petra Classen sofort klar, dass sie Hilfe brauchte. Hilfe für ihre Töchter und für sich. Denn die Mädchen mussten schon einmal auf ihren Vater verzichten: bei der Scheidung der Eltern vor sieben Jahren. Seitdem verbrachten sie nur das Wochenende mit ihm. Sein Tod war unbegreiflich und zerstörte wie ein Blitzschlag ein Stück ihres Lebens. Erst durch den Schritt in die Trauergruppe gelang es den Mädchen das zu bewahren, was sie für ihren Vater noch immer haben: ganz viel Liebe.